Bekommt die Gentechnik Konkurrenz?

In den 80er-Jahren setzten zwei Mitarbeiter der Firma Ciba (heute Novartis), Guido Ebner und Heinz Schürch, Pflanzensamen und Fischeier einem elektrostatischen Hochspannungsfeld aus. Das Resultat ihrer Forschungen sorgte damals für Schlagzeilen: Es wuchsen Organismen heran, die man bis dato nur aus Versteinerungen kannte, wie etwa eine längst ausgestorbene Farnart. Noch mehr: Das „Reset“ auf den Urzustand führte zu schnellerem Wachstum, besserem Ertrag und mehr Robustheit. Das Potenzial schien enorm, gleichzeitig hatte die neue „Zuchtmethode“ wohl auch etwas Bedrohliches für das Unternehmen: Denn kaum war das Verfahren patentiert, unterband der Pharmakonzern jedwede Forschung. Was war seinerzeit geschehen? Und wurden die Forschungen später wieder aufgenommen?

Diesen und weiteren Fragen geht der Schweizer Journalist Luc Bürgin nach. Er stellt die Elektrofeldversuche ausführlich vor, illustriert sie mit zahlreichen Abbildungen (darunter auch unveröffentlichte Fotos der „Urzeitformen“) und zeigt, dass derart gewonnenes Saatgut eine ökologische Alternative gegenüber gentechnisch manipuliertem darstellen könnte, da Ersteres kaum Pestizide benötigt und einen effektiven Beitrag leisten könnte, die Getreideversorgung in Dritte-Welt-Ländern zu verbessern.

Leider versäumt das Buch, auf potenzielle Risiken einzugehen, etwa das einer Störung des Gleichgewichts von Ökosystemen, welches durch das Aussetzen der „urzeitlichen Artgenossen“ wahrscheinlich würde. Nichtsdestotrotz lohnt es, sich mit den Arbeiten der beiden Entdecker Ebner und Schürch, die inzwischen verstorben sind, näher zu befassen – auch vor dem Hintergrund der jüngsten Intelligent-Design-Debatte.

Titel: Der Urzeit-Code
Untertitel: Die ökologische Alternative zur umstrittenen Gentechnologie
Autor: Luc Bürgin
Jahr: 2007
Verlag:
Herbig
Genre: Sachbuch
Aufmachung:
240 Seiten, gebunden
Im Netz: www.urzeit-code.com

→ Dieser Beitrag erschien in zeitgeist-Ausgabe 28 (1-2008).

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