Welchen Stellenwert hat Pressefreiheit heute noch?

Mut und moralische Integrität im Journalismus sind Mangelware geworden. Einerseits liegt dies wohl an zunehmender Käuflichkeit, andererseits an der verschärften Gesetzgebung. In den Staaten hat der "Homeland Security Act" den Justizbehörden Handlungsspielräume eröffnet, welche deutlich die Pressefreiheit torpedieren.

Kate Beckinsale spielt eine investigative Reporterin (Rachel Armstrong), die ihren Berufsethos über äußere Restriktionen stellt. Nach der Veröffentlichung einer brisanten Kolumne, in der sie die Identität einer CIA-Agentin offenlegt, wird sie seitens der Staatsdiener genötigt, ihre Quelle zu benennen. Sie bleibt jedoch konsequent und beruft sich auf Informantenschutz. Die Folge ist Beugehaft, der die Journalistin, selbst nach mehr als einem Jahr hinter Gittern, nicht weich werden lässt. "Wenn die Information (...) wertvoll und wahrhaftig ist, so wie bei Watergate oder den Pentagon-Papieren, spielt das Motiv (...) keine Rolle mehr. Jeder echte Journalist wäre bereit, die Tortur des Gefängnisses auf sich zu nehmen, um die Prinzipien zu schützen."

Es entwickelt sich ein packendes Gerichtsdrama, das in Teilen auf realem Hintergrund beruht. Matt Damon mimt den knallharten, karrieregeilen Staatsanwalt, der seine Rechte mit seiner Macht verwechselt.

Selbst wenn der Streifen über manche Strecken etwas langatmig wirkt, weiß er doch zu fesseln, gerade auch durch starke Dialoge. Nachfolgend das vielleicht bedeutendste Plädoyer in Auszügen:

"Wenn die Jahre vergehen, wird die Macht der Regierung mehr und mehr um sich greifen. Diejenigen an der Macht, egal wie ihre Politik auch aussehen mag, wollen diese nur aufrecht erhalten – und die Menschen werden Opfer sein. (...) Mrs. Armstrong hätte sich den Forderungen der Regierung beugen können, sie hätte ihr Versprechen der absoluten Vertraulichkeit brechen und einfach nach Hause zu ihrer Familie gehen können. Aber hätte sie das getan, hätte es bedeutet, dass kein Informant jemals wieder zu ihr sprechen würde. Und keine Quelle würde jemals wieder mit ihrer Zeitung sprechen. Und dann morgen, wenn wir weitere Journalisten einsperren würden von anderen Zeitungen, würden wir deren Veröffentlichungen auch irrelevant machen. (...) Wie sollten wir dann erfahren, ob ein Präsident vielleicht Verbrechen deckt, oder ob ein Armeeoffizier Folter angeordnet hat? Wir werden nicht mehr fähig sein, diejenigen, die an der Macht sind, verantwortlich zu machen für das, was sie denen antun, über die sie Macht haben. Und was würde schnell aus einer Regierung werden, wenn sie keine Furcht mehr vor der Verantwortung hätte? Eine entsetzliche Vorstellung. Journalisten einsperren – das können Regierungen anderer Länder tun. Das ist das Handeln von Ländern, die sich vor ihren Bürgern fürchten und nicht von Ländern, die ihre Bürger achten und beschützen. Seit einiger Zeit empfinde auch ich den persönlichen und menschlichen Druck auf Rachel Armstrong und ich sagte ihr, dass ich hier sei, um sie zu repräsentieren und nicht ein Prinzip. Und seitdem ich sie getroffen habe, erkannte ich, dass bei großartigen Menschen kein Unterschied zwischen dem Prinzip und der Person besteht."

Die überraschende Schlussequenz verkompliziert die Sachlage rückwirkend – nimmt jedoch dem hochaktuellen Thema nicht die Kraft.

Titel: Nichts als die Wahrheit –
Im Fadenkreuz der Staatsmacht

Originaltitel: Nothing but the Truth
Jahr: 2008
Land: USA
Regie: Rod Lurie
Genre: Drama, Thriller
Im Netz:
Vertrieb: Ascot Elite

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