Einfach frei

Wie ein völlig anderes ökonomisches Modell unsere Gesellschaft von Grund auf erneuern könnte

Von OLIVER JANICH

Freie Märkte werden gerne ins schlechte Licht gerückt, schließlich seien sie mitverantwortlich für die andauernde Finanzkrise. Oliver Janich widerspricht: Das genaue Gegenteil sei der Fall, vielmehr böte gerade der libertäre Ansatz der Österreichischen Schule der Nationalökonomie den Weg aus der Misere! Im Beitrag erklärt er auf leicht verständliche Weise deren genial einfache Lösung – sofern man sie in Gänze umsetze. Obgleich in seiner Reinform noch nicht in der Praxis erprobt, wurde der Ansatz Hayeks immerhin schon mit dem Nobelpreis gewürdigt.

Jetzt, in der Finanzkrise, erlebt die (...) „Wiener Schule“ (...) eine Renaissance. Denn ihre Vertreter waren die Einzigen, welche sowohl die aktuelle als auch die 1929er-Finanzkrise vorausgesehen und eine logische Erklärung für deren Entstehung parat hatten. Als Begründer gilt Carl Menger (1840–1921), ein Wirtschaftsprofessor der Universität Wien, der, wie im Eingangsbeispiel erläutert, erkannte, dass der wirtschaftliche Wert eines Gutes nicht objektiv messbar ist, also den Waren keineswegs als inhärenter Bestandteil anhaftet, sondern alleine dem menschlichen Gehirn entspringt.

US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul ist der derzeit wohl populärste Vertreter freier Märkte und der Idee der Österreichischen Schule (2008 in Manchester, New Hampshire, Foto: Wikimedia Commons) 

 

Der Ökonom Eugen Böhm von Bawerk (1851–1914) ergänzte Mengers Lehre durch die ebenfalls subjektivistische Kapitaltheorie, welche die Entstehung des Zinses erklärt: Der Zins ist der Preis dafür, dass derjenige, der Geld verleiht, auf gegenwärtigen Konsum verzichtet. Und dieser Zins hängt wiederum von den ganz persönlichen Einschätzungen des Einzelnen ab. Hier kommt der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises (1881–1973) ins Spiel, der bereits 1912, also ein Jahr vor Gründung der amerikanischen Notenbank FED, in dem Werk. „Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ erklärte, warum ein staatliches Geldmonopol scheitern muss. Friedrich August von Hayek (1899–1992), Ökonom und Sozialphilosoph, präzisierte von Mises’ Theorie und erhielt dafür 1974 schließlich den Wirtschaftsnobelpreis.

Letztendlich geht es darum: Da der Wert eines Gutes stets subjektiv ist, kann eine zentrale Planstelle den richtigen Preis dafür nicht ermitteln. Andernfalls, so Hayek, handle es sich um eine gefährliche „Anmaßung von Wissen“, das ein Bürokrat oder Politiker gar nicht haben könne, denn dann müsste er für jeden einzelnen Tag und Bürger dessen Bedürfnisse und finanzielle Möglichkeiten kennen. Das aber ist unmöglich. (...)

Wenn es so schwierig ist, den Wert einer Ware herauszufinden, wie soll ein Wirtschaftssystem dann überhaupt funktionieren? So schwer es für eine Planstelle ist, so einfach ist es für den Einzelnen. Er hat im Laden eine schlichte Entscheidung zu treffen. Er sieht den Preis, weiß, wie viel Geld er zur Verfügung hat, und entscheidet, ob ihm das Produkt wert ist, was es kostet.. (...)

In der Presse werden die jetzt in der Finanzkrise steigenden Nahrungsmittelpreise auf Spekulanten geschoben. Wieso aber sollten diese ausgerechnet in der Krise auf steigende Preise setzen? Nein, das neu gedruckte Geld flüchtet einfach in Sachwerte wie Rohstoffe, Immobilien und  Aktien. Besonders hinterhältig ist, dass diejenigen am meisten unter dem System leiden, die am wenigsten davon verstehen: die Arbeiter. Die Inflation schadet hauptsächlich ihnen, denn das neu in Umlauf gebrachte Geld kommt dort als Letztes an (Cantillon-Effekt). Zuerst bekommen es die Banken, der Staat und die Konzerne über das Auflegen von Anleihen. Die Unternehmen, besonders die großen mit Marktmacht, können sehr gut mit Preissteigerungen leben. (...)

Mehr über die Ideen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, auch zu den Mechanismen der Giralgeldschöpfung, erfahren Sie in Ausgabe 31.

 

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