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Sind wir alle Geisel von "Peak-Oil"? (Teil 2)

Was, wenn die abiotische Theorie über die Entstehung des Erdöls im Innern der Erde stimmt?

Von FRIEDERIKE BECK

Noch immer ist die Mär von der drohenden Verknappung das vorherrschende Dogma der weltweiten Energiepolitik (zu Unrecht, wie in Teil 1 gezeigt wurde), im Wesentlichen fußend auf der Endlichkeit „fossiler Brennstoffe“. Doch genau jene Theorie, die der fossilen Entstehung, steht auf hölzernen Beinen, ist bis heute unbewiesen (vgl. auch zeitgeist-Ausgabe 29). Ganz anders das Modell der Abiotik, nach dem die Russen schon seit Jahrzehnten Ölquellen erschließen. Wohl nicht umsonst gilt Russland als das erdölreichste Land. Der Beitrag stellt gegenüber und beleuchtet die Hintergründe.

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"Öl aus den Adern der Erde,
Steinöl, Quallenblut, Fett der Saurier,
Panzer der Echsen, das Grün der
Farnwälder, die Riesenschachtelhalme,
versunkene Natur, Zeit vor dem
Menschen, vergrabenes Erbe, von
Zwergen bewacht, geizig, zauberkundig
und böse, die Sagen die Märchen, der Teufelsschatz: er wurde ans Licht geholt,
er wurde dienstbar gemacht.
Was schrieben die Zeitungen?
Krieg um Öl ..."

(Aus: Wolfgang Koeppen:
Tauben im Gras, 1951)

 

Wir haben es mit einer sehr alten Anschauung bzw. Hypothese zu tun, die aus dem 18. Jahrhundert stammt. Der russischen Universalgelehrte Michail Lomonossow (1711–1765) vermutete zuerst: "Erdöl stammt aus den winzigen Körpern von Tieren, die in Sedimenten eingeschlossen unter hohem Drucken und Temperaturen sich über unvorstellbar lange Zeiträume in Erdöl umwandelten."

Kaum nachvollziehbar – aber über diese Theorie ist im Grunde bis heute die Geowissenschaft nicht hinausgekommen. Das ist, gelinde gesagt, merkwürdig, wenn man bedenkt, wie sich ansonsten wissenschaftliche Theorien aus dem 18. Jahrhundert mit Lichtgeschwindigkeit von ihren ersten Anfängen bis ins unsere Moderne fortbewegt haben …

Schon Alexander von Humboldt (1759 –1869), der große Naturforscher, äußerte, dass sich Erdöl wohl im Gestein selbst bilde

Die Theorie der fossilen Herkunft von Erdöl und Erdgas hat sich gleichwohl zum herrschenden Paradigma etabliert. (Eine interessante Parallele findet sich in der Medizin mit ihrem ebenfalls völlig veralteten Menschenbild und dem Erklärungsmuster für Krankheiten, das aus dem 19. Jahrhundert stammt). Genau genommen kam die einstige Hypothese jedoch nie über dieses Stadium hinaus, denn für eine (bewiesene) Theorie fehlten wichtige Beweise und die überzeugende Beantwortung von Fragen steht aus:

  • Noch nie konnten Fossilien in Erdöllagern entdeckt werden. (z. B. Dinosaurierskelette)
  • Die aktuellen Zahlen über Kohlenwasserstoffreserven zeigen, dass diese gigantisch sein müssen (vgl. Teil 1 dieses Beitrags). Überdies: Welche Megamengen an Biomasse wären notwendig gewesen, um solche „fossilen Brennstoffe“ herzustellen? Und: Wo sollen diese ganzen Pflanzen und Tiere hergekommen sein?
  • Es existieren bislang keine experimentellen Versuchsanordnungen, mithilfe derer fossile Brennstoffe aus Pflanzen- oder Tierteilen hergestellt wurden.
  • Viele Erdölquellen sprudeln nicht aus einem das Öl einschließenden Sediment (z. B. Golf von Mexiko). Doch gerade dort finden sich gigantischen Öl- und Gasvorräte in großer Tiefe. Wie kamen Lebewesen tausende von Metern unter die Erdoberfläche bzw. unter den Meeresboden?
  • Wie kommt es, dass Ölfelder offenbar „Nachschub“ aus großer Tiefe erhalten und sich wieder auffüllen können?

Die Erdkruste besteht aus kontinentalen und ozeanischen Platten, den sogenannten tektonischen Platten. Diese schwimmen auf dem Erdmantel, der unvorstellbare Mengen an Kohlenwasserstoffen enthält. Die Platten bewegen sich. Wenn sie gegeneinander stoßen, können Risse und Faltungen entstehen und Hydrokarbone, also Erdöl und Erdgas, nach oben gelangen. Lagerstätten finden sich vorzugsweise in tektonisch aktiven Zonen der Erde. In der Graphik sind z. B. Saudi-Arabien oder die ölreiche Karibik gut zu erkennen. (Quelle: Wikimedia Commons)
 

 

Ebenfalls nicht neu ist die Gegentheorie zur fossilen (biotischen): die der abiotischen Entstehung von Erdöl. Schon Alexander von Humboldt (1759–1869), der große Naturforscher, äußerte, dass sich Erdöl wohl im Gestein selbst bilde, nachdem er eine Ölquelle in einem Gebirge in Venezuela gesehen hatte. Mit der stärksten Kontinuität verfolgten diese Theorie jedoch russische bzw. ukrainische Wissenschaftler, angefangen mit dem russischen Chemiker Dimitri Mendelejew (entwickelte mit einem anderen Forscher das Periodensystems der Elemente), der 1877 in einem Artikel erstmals eine Theorie aufstellte, über Sokoloff, Vernadsky bis hin zu Nicolai Kudrjawzew, einem russischen Geologen, der 1959 sagte, dass man Öl, das Rohöl ähnele, eben nicht aus Pflanzen- oder Tierbestandteilen im Labor herstellen könne unter ähnlichen Bedingungen wie in der Natur.

Kudrjawzew verkündete 1951 auf dem sowjetischen Allunionskongress über Erdöl erstmals seine abiotische Entstehungstheorie des Erdöls tief im Innern der Erde. Der Erdmantel sei voller Kohlenwasserstoffe aus der Zeit der Entstehung der Erde, hauptsächlich Methan, das chemisch verändert durch hohe Temperaturen und Drücke vom Erdmantel in die Erdkruste steigen könne und dort an die Oberfläche trete, falls es nicht durch undurchlässiges Gestein eingesperrt werde. Die Ölvorräte auf der Erde sind danach höchstens durch die Menge anorganischer Ausgangsstoffe, den Kohlenwasserstoffen, die bei der Entstehung der Erde gebildet wurden, begrenzt.

Die abiotische Theorie hat sich in jedem Fall für die UdSSR bzw. für Russland als wirtschaftlich erfolgreich erwiesen. Russland ist mittlerweile weltweit die Nummer eins in Sachen Erdöl- und Gasproduktion. In Gegenden, die von westlichen Konzernen als unergiebig eingestuft wurden, konnten in sehr großer Tiefe riesige Vorkommen genutzt werden. Bei Probebohrungen soll Russland laut William Engdahl ("Mit der Ölwaffe zur Weltmacht") durchweg eine höhere Erfolgsquote haben. Der Westen liege technologisch zurück und habe sich darauf verlegt, sich das leicht zu fördernde Öl zu sichern (Beispiel Irak).

Die abiotische Theorie hat sich in jedem Fall für die UdSSR bzw. für Russland als wirtschaftlich erfolgreich erwiesen. Russland ist mittlerweile weltweit die Nummer eins in Sachen Erdöl- und Gasproduktion

Doch in den letzten Jahren – viel später und uneingestanden – scheint sich auch im Westen ein ähnliches Vorgehen durchzusetzen, wenn man z. B. die höchst ergiebigen Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko betrachtet. Oder die supertiefen Bohrungen im Weißen-Tiger-Ölfeld in Vietnam. Die Amerikaner hatten aufgegeben, dort Öl fördern zu wollen, doch die Russen schafften es mit ihrer fortschrittlichen Technik in einem Joint Venture mit den Vietnamesen, 17.000 Fuß (= ca. 6000 m) durch Basaltgestein zu bohren. Das Offshore-Ölfeld produziert 280.000 Barrel am Tag (laut "Explorer" vom Februar 2005).

Ausschnit aus dem Weißen-Tiger-Ölfeld: weit und breit nichts zu sehen von der drohenden (oder besser: angedrohten?) Verknappung (Quelle: Petrovietnam)
 

 

Das einstmals „bettelarme“ und kriegsverhehrte Land produzierte bisher 250 Milliarden Barrel Rohöl und ist mittlerweile auch mit Projekten vielfältig im Ausland engagiert. Bei Petrovietnam herrscht bezüglich weiterer Funde eine optimistische Stimmung.

Einige oft vorgebrachte Argumente zur Erdölentstehungskontoverse sind im Folgenden gegenübergestellt:

Fossile Theorie

Abiotische Theorie

Erdöl und Erdgas wurden in einem bis zu Millionen Jahre dauernden Prozess aus abgestorbenen Organismen gebildet. Jene lagerten sich nahe dem Meeresgrund ab. Durch Mangel an Sauerstoff entstand
Faulschlamm, weitere Ablagerungen bildeten Sedimentfolgen. Dies bewirkte  hohe Drücke und Temperaturen. Dadurch wurden die in der Biomasse enthaltenen langkettigen Kohlenwasser-stoffe, die sogenannten Kerogene, aufgespalten.
Es entstanden kurzkettige Kohlenwasser-stoffe, also Erdgas und Erdöl. Im sogenannten Speichergestein sammeln sich Erdgas und Erdöl. Handelt es sich
um ein undurchlässiges Gestein, können Erdöl und Erdgas nicht „wandern“ (= Erdölfalle). Es kann eine Erdöllagerstätte entstehen, die oft eine sogenannte Gaskappe hat.
Das Speicher- oder Muttergestein darf dabei nicht tiefer als 4000 m liegen (= Versenkungstiefe). In größerer Tiefe
könne nur noch Erdgas sein.
Steinkohle entsteht ebenfalls aus organischem Ausgangsmaterial (z. B. Bäumen) in einem Umwandlungsprozess über Jahrmillionen unter Luftabschluss sowie hohen Drücken und Temperaturen. Ähnliches gilt für die Entstehung der Braunkohle, sie ist jedoch jüngeren
Datums und hat nur etwa ein Drittel der Energie von Steinkohle.

Die Ausgangsstoffe für Erdöl, Erdgas und Kohle (= Kohlenwasserstoffe) befinden sich in nahezu unendlicher Menge im „Bauch“ unseres Planeten seit seiner Entstehung. Die Umwandlungsprozesse von Kohlenstoff, Eisenoxid und Wasser unter großen Drücken und hohen Temperaturen fänden andauernd und in großer Tiefe im Erdmantel und in der tiefen Erdkruste statt.
Diese Vorgänge wurden in der Geotimes im Juni 2003  in einem Artikel mit der Überschrift "Petroleum Geology. Raining Hydrocarbons in the Gulf" thematisiert: "Unter dem Golf von Mexiko fließen Kohlenwasserstoffe durch ein kompliziertes Netzwerk von Verbindungswegen und Reservoirs nach oben. Sie beginnen in dünnen Schichten von felsigem Muttergestein und von dort steigen sie schwimmend zur Oberfläche auf. Während ihres Aufsteigens sammeln sich die Kohlenwasserstoffe in kleinen Rinnsalen und bilden zeitweise Taschen, ähnlich wie Regen, der einen Teich füllt. Schließlich entkommen die meisten  in den Ozean. Und all das passiert jetzt, nicht vor Millionen und Abermillionen von Jahren, sagt Larry Cathles, Professor für chemische Geologie an der Cornell Universität. 'Wir haben es mit einem gigantischen Durchflusssystem zu tun, wo die Kohlenwasserstoffe jetzt gebildet werden und sich jetzt durch die darüber liegenden Stratas1 arbeiten, jetzt die Reservoirs bilden und jetzt in den Ozean austreten‘ […] Cathles und seine Mitarbeiter schätzen in einer Studie, dass, auf einem Gebiet südlich der Küste von Louisiana von 9600 Quadratmeilen, ein Muttergestein in etwa 12 Kilometer Tiefe nicht weniger als 184 Milliarden Tonnen Öl und Gas gebildet hat. […] 'Dies sind 30 % mehr als die Menschheit bisher in ihrer gesamten Petroleum-Ära verbraucht hat', sagt Cathles. 'Und das nur auf diesem briefmarkengroßen Gebiet; wenn das weltweit so weitergeht, dann sind da noch eine Menge Kohlenwasserstoffe dabei, heraufzukommen.'" Interessanterweise erwähnt Cathles, dass jährlich ca. 0,1 Tonnen Rohöl auf natürlichem Weg in den Golf strömen, dort Nahrung für Bakterien bilden und damit wiederum die Nahrungskette des Meeres ankurbeln würden.

Da Öl fossilen Herkunft ist, sollten darin Moleküle biologischen Ursprungs und Bakterien enthalten sein. Tatsächlich
finden sich im Rohöl kohlenstoffhaltige Makromoleküle. Diese „Kerogene“ sind durch Zersetzung organischer Materialien entstanden, so die These. Dabei halfen Mikroben.

Moleküle biologischen Ursprungs können nachträglich hinzugekommen sein, und Kleinstorganismen unter extremsten Bedingungen (Hitze, Kälte, Trockenheit etc.) existieren. Es gibt sie sogar auf dem Mars.

Bereits in den 1960er-Jahren war der „Peak“ beim Auffinden neuer Erdöllagerstätten. Seitdem werden keine großen Lagerstätten mehr gefunden. Logisches Zeichen für baldigen Rückgang der Fördermengen.

Aufgrund der noch vorhandenen riesigen Reserven müssen die Ölkonzerne zurzeit keine weiteren suchen. Erst wird man das leicht zu fördernde Öl (im Nahen Osten, z. B. Irak) weiter ausbeuten. Es werden trotzdem weiterhin gigantische Lagerstätten gefunden: Beispiele Venezuela und Brasilien: Das Tupi-Ölfeld vor der Küste Rio de Janeiros; die Medien bezeichnen es als "den größten Tiefsee-Fund aller Zeiten". (z. B. Generalanzeiger Bonn, 25./26.9.2010). Unter einer 2000 m dicken Salzschicht liegt in 4-5000 m Tiefe eine Reserve von 5-8 Mrd. Barrel hochwertiges Leichtöl. Die Förderung übernimmt Petrobras, an der Brasilien mit 65 % beteiligt ist. Der Konzern wird damit zum Weltführer in ultratiefer Wasserbohrtechnologie. "Doch damit nicht genug. Es folgten reihenweise weitere Entdeckungen […] Experten gehen mittlerweile davon aus,  dass vor der brasilianischen Küste insgesamt rund 50 Mrd. Barrel Öl zu holen sind."(a. a. O.).

Bekannte Ölfelder versiegen, ein Zeichen für den definitiven Verbrauch dieser
Reserve und für den Niedergang.

Ölfelder können einen Produktionsrückgang verzeichnen, jedoch aus folgenden zwei Gründen:

  1. Es wird zu schnell gefördert, sodass das Öl aus dem Innern der Erde nicht schnell genug nachfließen kann.
  2. Bohrlöcher haben einen Produktionsrückgang, nicht weil die Quellen versiegen, sondern weil sich im Bohrloch nach einer gewissen Zeit Ablagerungen bilden, die mit einer speziellen Technik, welche die Russen anwenden, entfernt, der Bohrkanal freigemacht und das alte Produktionsniveau wieder erreicht werden kann. Westliche Konzerne müssen oft in dieselben Reservoirs kostspielig neu bohren (wie aktuell bei der Havarie im Golf von Mexiko).

Bereits 1995 berichtete ein Artikel der "New York Times" über die amerikanische Geochemikerin Jean Wheelan und ihre Forschungen. Titel: "Geochemikerin sagt, dass sich Ölfelder möglicherweise von selbst wieder auffüllen". "Könnte es sein, dass viele der weltweiten Ölfelder sich in beinahe demselben Verhältnis wieder von selbst auffüllen, wie sie von einer energiehungrigen Welt ausgepumt werden?" Auch hier wurde schon von den Forschungsergebnissen der Wissenschaftlerin berichtet, die bestätigen, dass sich Öl aus großer Tiefe relativ schnell auf bestimmten Wegen nach oben arbeitet.

Es werden keine großen Ölfelder mehr gefunden, wo das Rohöl relativ leicht exploitiert werden kann. Immer mehr muss teuer und technisch aufwendig gefördert. werden.

In Venezuela schätzte man die überprüften Ölreserven 2007 auf 80 Mrd. Barrel und korrigierte zuletzt auf 513 Milliarden Barrel nachgewiesenes, technisch gut förderbares Schweröl nach oben. Somit übertrifft Venezuela Saudi-Arabiens Reserven von nachgewiesenen 260 Mrd. Barrel um das Zweifache.

Ölquellen versiegen, manchmal erst nach Jahrzehnten. Das ist dann das Ende. Die Produktion wird aufgegeben.

In der Sowjetrepublik Tatarstan kam die Produktion in den 1980er Jahren nach jahrzehntelanger Ausbeutung des gigantischen Romashkino-Erdölfeldes bei einigen Quellen vollkommen zum Erliegen. Nach geraumer Zeit jedoch begannen die Quellen wieder zu sprudeln; es trat allerdings Öl einer anderen Qualität zu Tage. Die Quellen lagen auf einer brüchigen, tektonisch aktiven Erdmantelzone mit tiefen Spalten zum Erdmantel hin. Das Öl war aus dem Erdinnern nachgeliefert worden. Bis heute wurden drei Billionen Liter gefördert. Auf "Rohstoff-Welt.de" äußerte sich am 16.9.2008 ein ausgewiesener Fachmann zum Thema: "Der saudische Ölexperte Dr. Nansen Saleri widersprach kürzlich vehement der von anderen Experten entwickelten Theorie des 'Peak Oil', nach der die weltweit mögliche Produktionsmenge ihren Höhepunkt bereits erreicht oder sogar knapp überschritten haben dürfte. Saleri, der bis vor kurzem den Bereich 'Ressourcen-Management' des weltweit größten Ölförderunternehmens 'Saudi Aramco' leitete, verspricht dagegen 'Öl für mindestens 100 Jahre'! 'Schaut man die globalen Reserven an, dann haben wir noch schätzungsweise zwischen 14  und 16 Billionen Barrel Öl', begründet er seine Gegenthese zur 'Peak-Oil-Theorie'. Weil seit Beginn der Ölförderung vor etwa 150 Jahren insgesamt erst eine runde Milliarde Barrel gefördert wurde, hat Saleri auch unter Berücksichtigung des steigenden Verbrauchs eine Reichweite der verbliebenen Reserven von mindestens 100 Jahren errechnet. Sollte der Ölverbrauch dagegen auf dem aktuellen Niveau (87 Millionen Barrel täglich) stagnieren, würden die von Saleri genannten Reserven sogar für mehr als 450 Jahre reichen." Interessant auch, wie Saleri die ansonsten vorherrschenden pessimistischen Schätzungen begründet: "Zwischen Saleris Angaben und den auch von den Ölgesellschaften offiziell verbreiteten Daten klafft eine große Lücke, die der saudische Ölexperte wie folgt erklärt: Seit Jahrzehnten richten alle weltweit wichtigen Ölunternehmen ihre Explorationsarbeiten und die Sicherung der dabei gefundenen neuen Ölfelder an der für die nächsten Jahre (der Planungshorizont liegt zwischen 2 und 20 Jahren) erwarteten Nachfrage aus. Das hilft den Unternehmen, die äußerst kostspieligen Erschließungsarbeiten auf das absolut erforderliche Minimum zu beschränken und bei den jeweils in Angriff genommenen Ölfeldern möglichst schnell in die Gewinnzone zu kommen. Unter anderem aus diesem Grund kam es im Jahr 1972 zur gravierenden Fehleinschätzung des 'Club of Rome', der – auf Basis der damals als 'gesichert' angesehenen Ölfelder – das Versiegen der Ölförderung schon für die Jahrtausendwende ankündigte."

Prominente Vertreter der abiotischen Theorie sind Jack Kenney (Gas Resources Corporation) und Wladimir Kutscherow2 (Königl. Schwed. Techn. Hochschule, Stockholm). In einem ausgezeichneten 3Sat-Beitrag wurde der Laborversuch Kutscherows am Moskauer Institut für Feinstoffchemie dokumentiert, aus Kohlenstoff, Eisenoxid und Wasser mittels großem Druck (ähnlich dem in 200 km Meerestiefe) und hohen Temperaturen (1400 °C) Kohlenwasserstoffe herzustellen.

Was in der Dritten Welt mit Hunger bezahlt wird, bezahlen wir mit hohen Energiepreisen und Kriegen. Die Menschheit als Ganzes ist damit im Würgegriff des Peak-Oil-Dogmas

Die Menschheit sitzt bzw. steht auf einer riesigen Menge Kohlenwasserstoff-Ressourcen, das scheint sicher. Es gibt keine Anzeichen für deren Knappheit (siehe auch Teil 1 dieses Beitrags). Trotzdem hat sich die biotische Theorie der "fossilen" Energieträger derartig etabliert, dass sie den Diskurs völlig beherrscht und trotz guter Argumente der Vertreter der abiotischen Theorie diese völlig aus der öffentlichen Diskussion und damit dem Bewusstsein der Menschen verbannt. Dies ist folgenreich, insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer, die mit dem – ebenso umstrittenen – Argument vom schlechten CO2 (siehe dazu u. a. "Die wirklichen Ursachen des globalen Klimawandels" und "Die Klima-Religion") an der Erschließung ihrer Ressourcen gehindert werden und auf teure, "saubere" Energien verpflichtet werden sollen. Was dort mit Hunger bezahlt wird, bezahlen wir mit hohen Energiepreisen und Kriegen. Die Menschheit als Ganzes ist damit im Würgegriff: Sie ist Geisel einer Theorie von einem angeblichen "Peak", der, jedenfalls in der postulierte Form, nicht erkennbar ist.

Keineswegs soll dieser Beitrag zum sorglosen Umgang mit unseren Ressourcen aufrufen. Genauso wenig stellt er ein Plädoyer für den Einsatz veralteter umweltschädlicher Technologien im Zusammenhang mit dem Abbau, der Weiterverarbeitung und dem Verbrauch dieser Rohstoffe dar. Das wäre böswilliges Missverstehen, denn es geht vielmehr um Verstehen, um ein besseres Verständnis dessen, was Kohle, Erdöl und Erdgas eigentlich für eine Funktion in der Natur haben und wie sie entstanden.

Es sieht allerdings alles danach aus, dass sie ein großzügiges Geschenk der Erde an die gesamte Menschheit sind, mit dem wir sorgsam und vor allem wissend umgehen sollten.

Sämtliche Hervorhebungen in Zitaten (Fettdruck, eckige Klammern) wurden von der Autorin vorgenommen.

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ANMERKUNGEN

  1. Stratas: Fachbezeichnung für die unterirdische „Wanderwege“ des Öls
  2. siehe dazu auch: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/01/interview-mit-professor-vladimir.html


LITERATUR


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